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Ja, es gibt hochangesehene Professoren, Forscher, Ärzte und Doktoren, die zwar alle schon mal davon gehört haben, dass auch Cannabis einen medizinischen Nutzen haben kann, die jedoch selbst nicht soweit gehen würden, Cannabispräparate auch tatsächlich zu verschreiben. Geschweige dennn, die natürliche Alternative aus der weiblichen Hanfblüte zu empfehlen. Schließlich ist man sich auch heute noch längst nicht einig über die Frage ob Hanf tätsächlich als Medizin gesehen und verschrieben werden kann. Natürlich gibt es auch erklärte "Hanffans" unter den Medizinern wie z. B. Dr. med. Franjo Grotenhermen, der ja auch regelmäßig zu diesem Thema publiziert Noch sind diese Doktoren in der Unterzahl - doch dies könnte sich bald ändern.

Das „Center for Medical Cannabis Research" (CMCR) der University of California veröffentlichte am 11. Februar 2010 einen an den Gouverneur des Bundesstaates gerichteten Report mit jeder Menge wissenschaftlichen Erkenntnissen über Hanf als Medizin. Das Forschungszentrum war 1999 gegründet worden und sollte über einen Zeitraum von zehn Jahren die wissenschaftlichen Grundlagen für den medizinischen Nutzen von Cannabis erforschen. Nun tritt die kalifornische Universität mit einem wissenschaftlichen Report an die Öffentlichkeit, welche die Diskussion um die medizinischen Anwendungsmöglichkeiten von natürlichem Cannabis neu beleben könnte. Denn mit den wissenschaftlichen Ergebnissen (dass beispielsweise natürliche Hanfextrakte bei Muskelschmerzen, Spastiken und Multipler Sklerose eingesetzt werden können) kommt auch die Schlussfolgerung, dass: „offensichtlich weitere Forschung nötig ist, um das volle Potential der verschiedenen Zusammensetzungen von Cannabinoiden erklären zu können. In der Zwischenzeit liefert das Wissen und die neuen Erkenntnisse des CMCR einen starken, wissenschaftlich basierten Kontext in dessen Rahmen die Politik mit der Öffentlichkeit darüber diskutieren kann, welchen Platz Cannabispräparate in der Gesundheitsfürsorge einnehmen sollen."

Wir wollten wissen, was deutsche Ärzte und Forscher von Cannabis als Medizin halten und fragten über die Pressestelle der Berliner Charite an, ob hier Ärzte und Forscher zu Gesprächen über die medizinischen Anwendungsmöglichkeiten von Cannabis bereit wären. Von der freundlichen Presse-Betreuerin erhielten wir insgesamt fünf Telefonnummern und damit fünf mögliche Interviewpartner. Nach vier Absagen erschien es uns dann als großes Glück, in Prof. Dr. Christoph Stein — dem Direktor und Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Berliner Charite — doch noch einen Gesprächspartner „vom Fach" gefunden zu haben.

Wie haben sie von Cannabis erfahren und fand ihre erste Begegnung mit dieser Pflanze im beruflichen oder im privaten Rahmen statt?

Ich persönlich habe Cannabis nicht direkt an Patienten angewendet, aber ich kenne die Literatur dazu sehr gut und wir haben hier auch eine Schmerzklinik, in der natürlich ein größeres Team tätig ist — insofern weis ich auch einiges aus der Diskussionen mit meinen Kollegen, die gelegentlich auch hier an unserer Klinik Patienten mit Cannabispräparaten behandeln.

Ist Hanf überhaupt eine Heilpflanze? Kann sie heilen? Oder kann sie „nur" Schmerzen und Symptome lindern?

Soweit ich das überblicke, handelt es sich in erster Linie um Sym ptomlinderung.

Bei welchen Krankheitsbildern würde ihrer Meinung nach eine Behandlung mit Cannabis Sinn machen?

Ich selbst kenne Cannabis nur im Zusammenhang mit Schmerzbehandlung, aber es gibt da auch noch zusätzliche Erfahrungen, weil viele dieser Schmerzpatienten auch unter Übelkeit leiden.

Das hat ganz verschiedene Ursachen — teilweise liegt dabei die Ursache in der Schmerztherapie selbst, die Übelkeit kann aber auch von der Grunderkrankung verursacht werden, insbesondere bei Tumor-Patienten. Da kann man dann auch gelegentlich Cannabispräparate zur Unterdrückung von Übelkeit verwenden.

Fänden sie es angebracht, auch in Deutschland Cannabis als Heilpflanze anzuerkennen? Vor kurzer Zeit hat das ja Israel als erst fünftes Land weltweit gemacht.

Ich finde, die wissenschaftliche Literatur ist da noch nicht sehr ergiebig. Es gibt sicherlich viele Untersuchungen und viele Veröffentlichungen, aber da gibt es teilweise sehr große Widersprüche. Wenn man sich mal allein auf die Literatur, die es über Versucheam Menschen gibt, beschränkt und die vielen Tierversuche oder Laboruntersuchungen außer acht lässt und nur gute, kontrollierte Studien am Menschen betrachtet, dann gibt's da meiner Ansicht nach noch zu wenig Studien, die wirklich einwandfrei nachweisen würden, dass Cannabis in bestimmten Situationen eine eindeutige Wirkung hat.

Woran liegt es denn, dass es nur so wenige gute Studien gibt? Fehlt da einfach das Geld oder gibt es vielleicht gar kein Interesse, das medizinische Potential von Hanf zu erforschen? Sicher gibt's Interesse — es wird ja sehr viel geforscht, gerade auf dem Gebiet der Schmerztherapie und insbesondere auch der Tumor-Schmerztherapie. Es gibt ja viele ungelöste Probleme in der Schmerztherapie, so dass sehr viele klinisch tätige Ärzte, aber auch wissenschaftlich tätige Ärzte, natürlich immer nach neuen und besseren Möglichkeiten für die Schmerztherapie suchen. Also, das Interesse ist sicher da und prinzipiell gibt es auch Geld dafür, denn Studien kosten natürlich immer Geld. Dieses Geld kann aus verschiedenen Quellen kommen — es kann entweder von der öffentlichen Hand kommen, zum Beispiel von Einrichtungen wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder vom Bundesministerium für Bildung und Forschung vergeben werden oder natürlich von der Industrie. Da gibt es schon Möglichkeiten - bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft kann man zum Beispiel jederzeit Gelder beantragen. Man muss dazu einen ausführlichen Antrag schreiben und diesen Antrag ebenso ausführlich begründen — es ist also auch nicht so, dass kein Geld da ist. Da gibt es schon Geld...

Welche Konsumform würden sie empfehlen? Gibt es überhaupt eine medizinisch unbedenkliche Konsumform?

Wie gesagt — nach meiner Kenntnis der Literatur gibt es keine bzw. zu wenige eindeutige Hinweise darauf, dass Cannabis bei bestimmten Krankheiten wirklich wirkt. Man braucht dazu eben gut kontrollierte Studien, von denen es derzeit nur wenige gibt und bei denen die Ergebnisse zu kontrovers sind. Die Hälfte der Studien zeigt nämlich einen Effekt und die andere Hälfte der Studien zeigt keinen. Insofern kann man daraus nicht ableiten, dass Cannabis eine eindeutige medizinische Wirkung hat.

Wie wird denn eine „eindeutige medizinische Wirkung" definiert?

Sie müssten sich bei der Forschung auf einen bestimmten Effekt konzentrieren — nehmen wir mal an, sie interessieren sich für eine schmerzstillende Wirkung, dann müssen sie eine größere Population von Patienten untersuchen, die ein bestimmte Art von Schmerzen hat. Schon hier gibt es ja viele unterschiedliche Arten von Schmer zen, denn es ist ja nicht jeder Schmerz gleich. Daher muss man zunächst mal eine ausreichend große, möglichst homogene Population finden und kann dann eine kontrollierte Studie machen, bei der die Substanz am besten im Vergleich zu einem Placebo oder einer anderen Standartsubstanz auf ihre Wirkung untersucht wird, danach muss eine statistisch einwandfreie Auswertung erfolgen — und bei all dem muss man sich eben auf einen einzigen Effekt konzentrieren. Es ist eine ganz klare Fragestellung nötig - etwa, ob bei einem bestimmten Schmerzsyndrom eine Linderung durch dieses oder jenes Mittel erfolgt.

Würden sie nach diesen Maßstäben sagen, dass eine positive medizinische Wirkung bei Multipler Sklerose in Hinsicht auf Krampf- und Muskellockerung noch gar nicht erwiesen ist? Gerade bei Multipler Sklerose gibt es ja überhaupt keine großen Studien, das sind mehr oder weniger anekdotische Berichte, die es da gibt — aber jedenfalls keine großen, kontrollierten Studien.

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Comment on "Busplanet - ist Hanf Medizin? Teil1"

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