„Die denken doch alle nur ans Geld, diese Halunken!“ Beim Fußballgucken steigerte sich mein Opa am Freitag wieder in seine Wuttiraden hinein. Kopfschüttelnd, puderrot und mit zusammengekniffenen Augen saß er vor dem Fernseher. Die Arme wild gestikulierend meckerte er über die hohen Jahresgehälter und Ablösesummen der Fußballstars.
Sein Geschimpfe drang dumpf in mein Ohr. Vom Spiel lenkte es mich kaum ab. Ich wusste, was als nächstes kam. Es ist schließlich immer das Gleiche. Vom Fußball wechselt mein Opa zur allgemeinen Situation. Das klingt dann in etwa so: „In der DDR haben die noch für ihr Land gespielt, heute zählt nur noch das Geld. Die Arbeiter werden ausgebeutet. Und die Jugend hat gar keine Perspektive. Das wird immer schlimmer. Ich bin froh, dass ich das nicht mehr erleben muss.“
Nach diesen unheilvollen Worten folgt stets ein erwartender Blick zu mir, denn früher habe ich ihm Kontra gegeben. Dann folgte eine lange Diskussion, die mit der Einsicht endete, dass wir beide wohl unterschiedliche Ansichten haben. Doch ich bin zum Glück noch jung und lernfähig. Mittlerweile nicke ihm nur noch zu. Am Freitag riskierte ich nebenbei einen Blick in die Fernsehzeitung. Dort entdeckte ich eine Sendung über Ostalgie: „DEFA Filme und DDR Produkte im Wandel der Zeit – Vier Panzersoldaten und ein Hund, Kittelschürzen und der gute alte Trabi“ stand in der Beschreibung. Ich war kurz davor, meinem Opa die Sendung vorzuschlagen. Da hat Deutschland ein Tor geschossen. Mein Opa jubelte. Und sein Ärger über die kapitalistischen Spieler war plötzlich wie weggeblasen.



